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Kunst im Treppenhaus


Das Amtsgericht München entschied in einem Fall, in dem die Auftraggeberin eines Installations-Künstlers sich wegen fehlenden „Wow !“-Effekts geweigert hatte, das vereinbarte Honorar für ein Kunstwerk zu akzeptieren. 

Über eine Kunstberaterin hatte eine Hausbesitzerin einen Künstler beauftragt, ihr Treppenhaus zu verschönern. Die gewünschte Installation sollte im Wesentlichen aus einem Hinterglasbild mit einem bestimmen Motiv sowie aus einem mit dem durch das Glasfenster einfallenden Licht korrespondierenden Viereck bestehen. Das Werk sollte sich im Stil an im Künstler-Katalog aufgeführten Werken orientieren, aber keine bloße Reproduktion eines dieser Werke sein, sondern eine eigenständige Schöpfung darstellen. Die Vertragsparteien einigten sich auf ein Honorar von 4.500 Euro. Der Auftrag wurde nach einer im Treppenhaus abgehaltenen Besprechung zwischen den Beteiligten endgültig erteilt. Die Kunstinstallation wurde danach im Juli 2010 an dem vorgesehenen Platz eingebaut. Die Auftraggeberin bezahlte die Hälfte des Honorars, bemängelte aber schließlich, dass der angestrebte „Wow !“-Effekt, den sie sich durch die Schaffung einer Sonnenuntergangs-Illusion erhofft hatte, nicht eingetreten sei. Unter Hinweis auf diesen von ihr behaupteten Mangel weigerte sie sich nicht nur die zweite Hälfte des Honorars zu leisten, sondern verlangte von der Kunstberaterin auch die bereits überwiesenen 2.250,- Euro zurück. Die Kunstberaterin lehnte dieses Verlangen ab, bestand ihrerseits auf Zahlung des ausstehenden Resthonorars und erhob vor dem Amtsgericht entsprechende Klage. 

Sie begründete die Klage mit dem Argument, dass das Werk nach den vereinbarten Vorgaben geschaffen wurde. Das Gericht entsprach der Klage und folgte damit der Argumentation der Klägerin, dass das Werk vertragsgemäß geleistet worden sei.

Das Gericht führte in der Begründung seiner Entscheidung aus, dass sich jeder, der ein Kunstwerk beim Künstler in Auftrag gibt, sich über die für den Künstler individuellen künstlerischen Auffassungen und deren Umsetzungen informieren muss. Die Gestaltungsfreiheit des Künstlers könne zwar durch vertragliche Vereinbarungen eingeschränkt werden, aber dort wo es an solchen Einschränkungen fehle, müsse der Aufrageber auch solche Ergebnisse schöpferischen Tuns akzeptieren, die ihm nicht gefallen. 

Im vorliegenden Fall hatte die Auftraggeberin lediglich eine allgemeine Orientierung an bisherigen Werken des Künstlers verlangt, ansonsten keine einengenden Abreden vereinbart. Die Beklagte führte zwar an, dass später eine solche zusätzliche Abrede getroffen worden sei, blieb aber den Nachweis für diese Behauptung schuldig. Somit erkannte das Gericht für Recht, dass die Beklagte das Resthonorar zu zahlen habe.

19.04.2011 - 224 C 33358/10 Amtsgericht München 


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