Zustimmung zu neuen Bank-AGB bei Anmeldung zum Online-Banking
Ein harmlos erscheinendes Pop-up beim Login ins Online-Banking kann eine handfeste rechtliche Dimension haben – das zeigt ein aufsehenerregendes Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 13.09.2023 (Az.: 12 O 78/22). Die Richter entschieden: Fragt eine Bank im Login-Prozess zur Zustimmung neuer AGB auf, ohne echte Wahlfreiheit zu bieten, handelt es sich um eine wettbewerbswidrige, aggressive geschäftliche Handlung. Eine Einordnung – und was das für Banken, Kunden und Wettbewerber bedeutet.
Hintergrund des Verfahrens: Was war passiert?
Konkret betroffen war die Targobank. Wer sich beim Online-Banking einloggte, sah sich einem Pop-up-Fenster gegenüber, in dem zwei Buttons zur Auswahl standen:
- „Stimme zu“
- „Stimme nicht zu“
Ein Klick außerhalb des Fensters oder ein Schließen war nicht möglich. Die Bank informierte dabei zwar ausdrücklich, dass die Nutzung des Online-Bankings unabhängig von der Entscheidung weiter möglich bleibe. Zugleich aber erfolgte ein klar formulierter Hinweis:
„Falls Sie nicht zustimmen, entziehen Sie uns eine wichtige Grundlage in der gemeinsamen Geschäftsbeziehung. In diesem Fall werden wir nochmals auf Sie zukommen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.“
Ein subtiler, aber effektiver Hinweis: Wer nicht zustimmt, gefährdet womöglich seine gesamte Kundenbeziehung.
Die rechtliche Bewertung des LG Düsseldorf
Das Landgericht Düsseldorf ordnete diese Praxis eindeutig ein:
„Eine aggressive geschäftliche Handlung in Gestalt einer Nötigung.“
Die Einblendung des Pop-ups im sensiblen Login-Prozess des Online-Bankings schaffe eine Drucksituation, so die Richter. Das sei nicht mit einer sachlichen Aufforderung vergleichbar, wie etwa einem schriftlichen Informationsschreiben mit angemessener Bedenkzeit.
Kernargumente des Gerichts im Überblick:
- Zeitlicher Druck: Die Entscheidung wird mitten im Login-Vorgang eingefordert – ohne Bedenkzeit.
- Psychologischer Druck: Die Formulierung impliziert den möglichen Verlust der Geschäftsbeziehung.
- Technischer Zwang: Es gibt keinen Ausweg aus dem Pop-up-Fenster außer der Zustimmung oder expliziten Ablehnung – ein „Zwangsklick“.
- Verbraucherbeeinträchtigung: Das Urteil betont, dass ein durchschnittlich informierter, verständiger und situationsangemessen aufmerksamer Verbraucher in eine Drucksituation gerät.
Wettbewerbswidrigkeit durch AGB-Abfrage im Login – Warum?
Die rechtliche Grundlage für das Urteil liegt in § 4a Abs. 1 UWG: Danach handelt unlauter, wer aggressive geschäftliche Handlungen vornimmt, durch die die Entscheidungsfreiheit des Verbrauchers erheblich beeinträchtigt wird.
Laut LG Düsseldorf war genau das der Fall:
- Der Zeitpunkt der Abfrage (Login-Situation)
- Die unverhältnismäßige Verbindung zur gesamten Geschäftsbeziehung
- Die eingeschränkte technische Ausweichmöglichkeit
führten zu einer unzumutbaren Beeinflussung der Entscheidungsfreiheit.
Die Bank habe somit gegen das Lauterkeitsrecht verstoßen – und sich zugleich dem Risiko von Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschützer ausgesetzt.
Was wäre zulässig gewesen? – Einordnung und Alternativen
Das Gericht differenziert klar: Eine Aufforderung zur Zustimmung zu neuen AGB ist nicht per se unzulässig – entscheidend ist das Wie.
Zulässig wäre zum Beispiel:
- Ein separates Schreiben oder eine E-Mail, die auf die Änderungen hinweist.
- Ein Hinweis mit ausreichend Bedenkzeit und Möglichkeit zur informierten Entscheidung.
- Keine unmittelbare Verbindung zum fortlaufenden Nutzungswunsch (wie dem Login-Vorgang).
Die Richter betonen: Eine sachliche und angemessene Kommunikation ist kein Problem – nur aggressive, manipulative Maßnahmen, die Entscheidungsfreiheit untergraben, sind es.
Bedeutung für Banken, Kunden – und den Wettbewerb
Für Unternehmen:
Das Urteil ist ein deutliches Signal: Technischer Druck, emotionale Manipulation und Intransparenz im Rahmen der AGB-Kommunikation sind rechtlich riskant. Unternehmen müssen ihre Kommunikationsprozesse überarbeiten – insbesondere im Online-Bereich.
Für Kunden:
Verbraucherrechte werden gestärkt. Der Login ins Online-Banking darf nicht zum Ort der Einflussnahme auf Vertragsbedingungen werden. Die Entscheidungsfreiheit bleibt gewahrt.
Für Wettbewerber:
Das Urteil zeigt, dass auch vermeintlich „kleine“ digitale Eingriffe im Rahmen von AGB-Zustimmungen wettbewerbsrechtlich relevant sind – und als unlautere Geschäftspraktik abgemahnt werden können.
Einordnung in den Kontext der BGH-Rechtsprechung zu AGB-Zustimmungen
Das Urteil knüpft indirekt an die BGH-Rechtsprechung zur Zustimmungsfiktion bei AGB-Änderungen an (vgl. BGH, Urt. v. 27.04.2021 – XI ZR 26/20). Dort urteilte der BGH, dass die bloße Weiterbenutzung eines Online-Bankings keine stillschweigende Zustimmung zu geänderten AGB darstellt.
Auch das LG Düsseldorf betont indirekt, dass klare und informierte Zustimmung notwendig ist – nicht erzwingbar, schon gar nicht in technischen Drucksituationen.
Fazit: Was bleibt von diesem Urteil?
Das Urteil des LG Düsseldorf ist wegweisend – und zugleich eine Mahnung:
Transparenz, Freiwilligkeit und Fairness sind Pflicht – gerade bei AGB-Änderungen.
Ein Pop-up zur AGB-Zustimmung darf kein verkapptes Ultimatum sein. Die Rechte von Verbrauchern enden nicht beim Login-Bildschirm. Banken sind gut beraten, die Einwilligung in geänderte Geschäftsbedingungen anders, respektvoller und rechtssicherer einzuholen.
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Alexander Bräuer
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