Unbegründeter SCHUFA Eintrag
Sie verlassen sich darauf, dass Banken und Vertragspartner Ihre Bonität fair und korrekt bewerten. Ein negativer SCHUFA Eintrag kann dabei über Kredit, Wohnung oder Unternehmensfinanzierung entscheiden. Was aber, wenn ein Inkassodienst voreilig meldet und die SCHUFA dadurch Ihre Kreditwürdigkeit herabstuft. Der Bundesgerichtshof hat klargestellt, dass eine solche Meldung immaterielle Schäden auslösen kann, für die Sie nach Art. 82 DSGVO Ersatz verlangen dürfen. Entscheidend ist, dass die Nachteile konkret sind. Eine besondere Schwere verlangt das Gesetz nicht.
Der Sachverhalt im Detail
Die Beklagte betrieb ein Inkassounternehmen und betreute unter anderem Mandanten aus dem Energiesektor. Am 16. Juli 2019 meldete sie eine gegen den Kläger durch Vollstreckungsbescheid titulierte Forderung des Stromlieferanten an die SCHUFA. Der Kläger rügte, die Meldung sei voreilig erfolgt, weil nicht einmal der Ablauf der Einspruchsfrist abgewartet worden sei. Er machte geltend, die negative Auskunft habe zu erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen geführt. Genannt wurden insbesondere der Verlust von Kreditkarten, eine drohende Kündigung der gesamten Geschäftsbeziehung durch seine Bank und das Scheitern einer Immobilienfinanzierung. Der Kläger verlangte immateriellen Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO.
Prozessweg
Erste Instanz beim Landgericht Mainz: 5.000 Euro immaterieller Schadensersatz.
Berufung vor dem Oberlandesgericht Koblenz: Klage vollständig abgewiesen.
Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH, Urt. v. 13.05.2025 - Az.: VI ZR 67/23): Aufhebung des Berufungsurteils und Zurückverweisung zur neuen Verhandlung.
Die Entscheidung des BGH
1. Prüfungsmaßstab bei immateriellem Schaden nach Art. 82 DSGVO
Der BGH ordnet Art. 82 DSGVO streng unionsrechtlich ein und übernimmt die Leitplanken des Gerichtshofs der Europäischen Union. Danach gilt:
- Ein bloßer DSGVO Verstoß genügt nicht. Es muss ein Schaden eingetreten sein.
- Ein Erheblichkeitsschwellenwert gibt es nicht. Der Schaden muss konkret, aber nicht schwerwiegend sein.
2. Konkretheit statt Schwere
Das OLG Koblenz hatte den immateriellen Schaden mit der Begründung verneint, konkrete Beeinträchtigungen seien nicht dargetan. Der BGH rügt dies deutlich. Der Kläger hatte spezifiziert, dass Kreditkarten gesperrt oder gekündigt wurden, ein neu abgeschlossener Kreditkartenvertrag wieder aufgehoben wurde und sogar eine Beendigung der gesamten Geschäftsbeziehung mit Fälligstellung erheblicher Verbindlichkeiten im Raum stand. Damit ist nach Ansicht des BGH eine Beeinträchtigung der Kreditwürdigkeit und damit des wirtschaftlichen guten Rufs schlüssig vorgetragen. Das genügt für einen immateriellen Schaden im Sinne des Art. 82 DSGVO.
Wichtig ist dabei der rechtliche Gedanke: Es kommt nicht darauf an, ob es im Alltag schon zu peinlichen Situationen oder massiven Zahlungsschwierigkeiten gekommen ist. Bereits die durch den Eintrag verursachte Herabsetzung der Kreditwürdigkeit und die daraufhin erfolgten Kündigungen stellen die relevante Beeinträchtigung dar.
3. Kontrollverlust als eigener immaterieller Schaden
Der BGH betont zusätzlich, dass Kontrollverlust über personenbezogene Daten einen eigenständigen immateriellen Schaden darstellen kann. Wer unter Verstoß gegen die DSGVO Daten an Dritte übermittelt, beeinträchtigt die Betroffenen nicht nur in ihrer Sphäre, sondern entzieht ihnen die Kontrolle über die weitere Datenverwendung. Das hat der BGH in mehreren Entscheidungen hervorgehoben und hier erneut bestätigt.
4. Zurückweisung spekulativer Erwägungen des OLG
Das OLG hatte vermutet, der Kläger habe vielleicht andere Kreditkarten gehabt und sei deshalb nicht wirklich beeinträchtigt gewesen. Der BGH weist solche Spekulationen zurück. Nach dem Beibringungsgrundsatz ist auf den festgestellten Parteivortrag abzustellen. Die dokumentierten Bemühungen des Klägers, Ersatzkarten zu erhalten, sprechen vielmehr dafür, dass die Einschränkung real war.
5. Ergebnis
Das Urteil des OLG Koblenz wird aufgehoben. Die Sache geht zurück, damit das OLG unter Beachtung der BGH-Maßstäbe über den immateriellen Schaden neu entscheidet. Zur Frage der Rechtswidrigkeit der Meldung selbst trifft der BGH in dieser Entscheidung keine abschließende Feststellung. Im Fokus steht die Schadensdimension und die Absenkung der tatsächlichen Hürden bei deren Darlegung.
Einordnung in die Rechtsprechung zum SCHUFA Kontext
Bereits am 28. Januar 2025 hat der BGH in einem anderen Verfahren 500 Euro immateriellen Schadensersatz für einen unzulässigen SCHUFA Eintrag zugesprochen. In jener Konstellation hatte ein Unternehmen eine bestrittene Forderung gemeldet. Der Eintrag blieb trotz schneller Löschung vorübergehend sichtbar und beeinträchtigte die Betroffene. Dieses Urteil belegt, dass der BGH SCHUFA bezogene Beeinträchtigungen grundsätzlich als ersatzfähig anerkennt.
Was bedeutet das für Sie als Betroffene
- Schnell prüfen lassen
Wurde vor Ablauf der Einspruchsfrist gemeldet oder trotz Einwendungen eine Meldung veranlasst. Das spricht für eine datenschutzrechtliche Pflichtverletzung. Ob die Meldung rechtmäßig war, ist gesondert zu prüfen. Für den Ersatzanspruch genügt, dass sie einen konkreten immateriellen Nachteil ausgelöst hat. - Konkrete Folgen dokumentieren
Sammeln Sie Belege zu Kündigungen, Sperrungen, Ablehnungen, Rückfragen von Banken, gescheiterten oder verteuerten Finanzierungen, internen Score Abfällen, Schriftverkehr mit Banken und SCHUFA. Je detaillierter, desto besser. Der BGH akzeptiert diese Art von Folgen ausdrücklich als immaterielle Beeinträchtigung. - Kontrollverlust geltend machen
Machen Sie zusätzlich den Kontrollverlust über Ihre Daten geltend, wenn eine rechtswidrige Übermittlung an die SCHUFA erfolgt ist. Das ist ein eigener immaterieller Schaden. - Höhe des Anspruchs
Die Höhe richtet sich nach Ausmaß und Dauer der Beeinträchtigung. Starre Summen gibt es nicht. Dass 500 Euro möglich sind, zeigt die Parallelentscheidung vom Januar 2025. In Ihrem Fall kann die Summe höher oder niedriger ausfallen.
Was bedeutet das für Unternehmen und Inkassodienstleister
- Meldestandards strikt einhalten
Vor Meldung einer titulierten Forderung ist zumindest der Ablauf der Einspruchsfrist zu beachten. Zudem sind die Grundsätze von Richtigkeit, Datenminimierung und Erforderlichkeit einzuhalten. Voreilige Meldungen bergen erhebliches Haftungsrisiko. - Dokumentations und Prüfpflichten
Bevor Daten an die SCHUFA übermittelt werden, müssen interne Prüfungen dokumentiert sein. Bestehen Einwendungen, sind diese zu würdigen und zu archivieren. - Schadensprävention
Wer meldet, obwohl die Rechtslage unsicher ist, riskiert immateriellen Schadensersatz. Schon der Anschein mangelnder Kreditwürdigkeit kann den wirtschaftlichen Ruf beeinträchtigen.
Fazit
Der BGH senkt die praktischen Hürden für den Nachweis immaterieller DSGVO Schäden im Kontext von SCHUFA Meldungen. Maßgeblich ist die Konkretheit der Folgen, nicht ihre Schwere. Wer infolge einer voreiligen oder unzulässigen Meldung Kreditkarten verliert, Geschäftsbeziehungen gefährdet sieht oder in Scores herabgestuft wird, hat realistische Chancen auf immateriellen Schadensersatz.
Ansprechpartner
Alexander Bräuer
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