Zum Hauptinhalt springen

Nutzung einer fremden Marke für Google-Adwords-Anzeigen

OLG Frankfurt, 6 U 272/10
| Rechtsanwalt Frank Weiß

Das Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main hat mit seinem Urteil vom 10.04.2014 unter dem Aktenzeichen 6 U 272/10 entschieden, dass es eine unlautere Ausnutzung einer bekannten Marke darstellt, wenn diese so eingesetzt wird, dass sie in einer Suchmaschine in einem Kontext aufzufinden ist, der geeignet ist, die Marke in ein negatives Licht zu stellen. Dies sei dann der Fall, so das Gericht, wenn die Waren des Markeninhabers durch die Annonce des Störers aus Verbrauchersicht überteuert erscheinen.

Damit wies das OLG die Berufung der Beklagten gegen das Urteil der Vorinstanz (Landgericht Frankfurt a.M.) teilweise zurück.

Das Gericht untersagte es der Beklagten unter Androhung von Ordnungsgeld, in Deutschland via Diensten wie Google, das Keyword "X" in einer Werbung für Erotikartikel zu nutzen, wenn dies so geschehe wie bisher.

Geklagt wurde wegen Ansprüchen aus einer Gemeinschaftsmarke. Die Klägerin vertreibt Erotikartikel unter der Bezeichnung "X" und ist Inhaberin der entsprechenden Gemeinschaftswortmarke X, welche eine Vielzahl von Waren bezeichnet.

Die Beklagte betreibt einen Internetshop für Erotikartikel unter der Domain "Y.de". Sie verwendete die Bezeichnung "X" als Keyword, um einen Werbeplatz (AdWords-Anzeige) zu benutzen. Gegen Entgelt zeigt Google dort die AdWords-Anzeige, die erscheint, wenn das entsprechende Keyword in das Suchfeld eingegeben wird. Über einen Link gelangte man auf die Website der Beklagten.

Die Beanstandung dieser Praxis durch die Klägerin sieht das Gericht als begründet an. Es stünden ihr Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzansprüche aus Art. 9 GMV (Verordnung über die Gemeinschaftsmarke) sowie den §§ 125 b i.V.m. 14 MarkenG (Markengesetz) und § 242 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) zu.

Eine Doppelidentität liege jedoch nicht vor. Die Verwendung der Marke als Google-Adword in einer Werbeanzeige stelle keine Verletzung der Marke dar. Es fehle an einer funktionsbeeinträchtigenden Nutzung i.S.d. Art. 9 GMV. 

Es sei jedoch eine Markenverletzung nach Artikel 9 Abs. 1 Buchstabe c GMV gegeben. Die Voraussetzung sei, dass die Marke bekannt ist und die Nutzung als Keyword zu Werbezwecken des Beklagten die Bekanntheit der Marke ausnutze oder unlauter beeinträchtige.

Dies sei hier der Fall. Denn die Beklagte habe sich in den Sogwirkungsbereich einer bekannten Marke begeben, um davon ohne eigene Mühe zu profitieren.

Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main, Urteil vom 10.04.2014, Aktenzeichen 6 U 272/10

Ansprechpartner

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Andere über uns

WEB CHECK SCHUTZ

Gestalten Sie Ihre Internetseite / Ihren Onlineshop rechts- und abmahnsicher.

WEB CHECK Schutzpakete der Anwaltskanzlei Weiß & Partner

Erfahren Sie mehr über die Schutzpakete der Anwaltskanzlei Weiß & Partner für die rechtssichere Gestaltung Ihrer Internetpräsenzen.

Cyber-Sicherheit

Webpräsenz der Allianz für Cyber-Sicherheit

Aktuelles

| Rechtsanwalt Frank Weiß | Aktuell
Musikkapellen bewegen sich im Urheberrecht oft in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht die gelebte Praxis mit Proben, Auftritten, Vereinsarbeit und spontanen Zugaben. Au…
| Rechtsanwalt Frank Weiß | Aktuell
Sie haben Post von der Mathé Law Firm erhalten, im Auftrag der Essex Musikvertrieb GmbH, und es geht um die Nutzung des Songs „Feeling Good“ von Michael Bublé auf Social Media? Da…
| Rechtsanwalt Frank Weiß | Aktuell
Sie haben eine Abmahnung der KSP Rechtsanwälte im Auftrag der dpa Picture-Alliance erhalten und sehen sich mit einer Schadensersatzforderung konfrontiert? Dann ist schnelles und ü…
| Rechtsanwalt Frank Weiß | Aktuell
Viele Unternehmen starten beim Datenschutz mit den „sichtbaren“ Themen: Datenschutzerklärung, Auftragsverarbeitungsverträge, vielleicht noch ein Verzeichnis von Verarbeitungstätig…